Arbeitsgemeinschaft Systemische Kinder- und Jugendpsychiatrie e.V.

 

Thesen zu einer Systemischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie

 

Liebe Mitglieder,

wir haben im Vorstand lange über Sinn, Konzepte und Umsetzungsstrategien einer Systemischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie beraten, als deren Resultat wir ein Konzeptpapier mit zwei exemplarischen Optionen der konkreten Umsetzung zur Diskussion stellen möchten. Welcher Weg dann beschritten werden soll, möchten wir gern von der Entscheidungsfindung auf der nächsten Mitgliederversammlung im Rahmen der DAF- Tagung am 22.September in Berlin abhängig machen. Wegen der Bedeutung des Themas wäre es schön, wenn dazu viele von Ihnen/ von Euch kommen könnten. Schriftliche Rückmeldungen vor der Tagung sind in hohem Maße erwünscht und willkommen!

Konkrete Umsetzungsschritte einschließlich curricularer Einzelheiten könnten danach in Kooperation mit der Systemischen Gesellschaft erfolgen.

Mit freundlichen Grüßen

 

(Christoph Höger)

 

 

Arbeitsgemeinschaft Systemische Kinder- und Jugendpsychiatrie

 

Systemische Weiterbildung mit dem Schwerpunkt

Systemische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie

 

1. Systemische Therapie verfolgt einen integrativen Ansatz, der sich anliegenorientiert an Personen aller Altersgruppen richtet. Eine Weiterbildung in Systemischer Therapie sollte daher diesen integrativen Aspekt beachten. Andererseits sind für den therapeutischen Umgang mit Kindern und Jugendlichen spezifische Kenntnisse und Fertigkeiten erforderlich, die in geeigneter Form vermittelt werden müssen.

2. Die Spezialisierung in Systemischer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie bezieht sich in ihrer theoretischen und ätiologischen Begründung, Zielsetzung, Indikationsstellung , Planung und Durchführung der zu realisierenden therapeutischen Maßnahmen - ebenso wie die Systemische Therapie generell- auf die allgemeine Systemtheorie, die systemische Psychotherapiepraxis und den allgemeinen empirischen Wissensstand im Bereich der Psychotherapie, darüberhinaus aber auch auf die Entwicklungspsychologie und Entwicklungspsychopathologie.

3. Systemische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie wird durch Personen durchgeführt, die in diesem Verfahren entsprechend den Richtlinien der Systemischen Gesellschaft weitergebildet sind. Die Systemische Kinder- und Jugendlichentherapeutin verpflichtet sich zu fortlaufender Fortbildung und Aktualisierung ihrer Kenntnisse und Fertigkeiten. Weiterbildung und kontinuierliche Fortbildungen umfassen auch Kenntnisse über andere Therapieformen, über den Stand der Psychotherapieforschung und über die Entwicklung zu einer schulenübergreifenden allgemeinen Psychotherapie. Die Umsetzung des Erlernten ist kontinuierlich zu sichern.

4. In der Systemischen Kinder- und Jugendlichentherapie werden die bewährten Techniken der Systemischen Therapie angewandt. Darüber hinaus setzen Systemische Therapeuten mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie besondere Vorgehensweisen ein, die es ihnen ermöglichen, auf die kognitiven Fähigkeiten und speziellen Denkmuster, die besonderen Kommunikationsformen und die emotionale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen einzugehen sowie deren familiären und sozialen Kontext zu beachten.

5. Die Therapien werden in unterschiedlichen Settings- als Familientherapie, Einzeltherapie, Gruppentherapie- unter zumindest virtueller Einbeziehung aller für das Problemsystem bedeutsamen Personen (Mutter, Vater, sonstigen Sorgeberechtigten, wichtigen Verwandten, Jugendamtsmitarbeitern, Lehrerinnen, Erzieherinnen) durchgeführt.

6. Auf der Grundlage der vorhandenen empirischen Evidenz stellen Therapeutinnen mit dem Schwerpunkt Systemische Kinder- und Jugendlichentherapie eine differentielle Therapieindikation. Sie machen ihre Gründe für das gewählte Vorgehen gegenüber ihren Fachkollegen und insbesondere gegenüber den Kindern und Jugendlichen und deren Bezugspersonen transparent, um so eine gemeinsame Entscheidungsfindung zu ermöglichen. Sie klären ihre Patienten offen über eigene Stärken und über eigene unzureichende Angebotsmöglichkeiten und Erfahrungen auf und beteiligen sie möglichst umfassend an der Behandlungsplanung und am Behandlungsprozess.

7. Effektivität, Effizienz und Patientenorientierung der angewandten Verfahren sind empirisch zu überprüfen; Gesichtspunkte der Patientenzufriedenheit und Lebensqualitätsverbesserung der behandelten jungen Patienten sind einzubeziehen.


Eine konkrete Umsetzung dieser Konzeption ist auf verschiedene Art und Weise vorstellbar. Wir möchten zwei Optionen hier vorstellen:

1. Eine eigenständige 4-jährige Weiterbildung zum Systemischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten- analog zum Vorgehen in der Kinder- und Jugendlichen- Verhaltenstherapie und in den entsprechenden analytisch begründeten Verfahren.

2. Eine integrative systemische Weiterbildung, bei der die Vermittlung spezifischer Kenntnisse und Fertigkeiten im therapeutischen Umgang mit Kindern und Jugendlichen in einem 1-jährigen Weiterbildungsbaustein "Systemische Kinder- und Jugendlichentherapie" erfolgen soll.



Arbeitsgemeinschaft Systemische Kinder- und Jugendpsychiatrie
Horionstr. 14
41749 Viersen
Fax: 02162-965038
E-Mail: w.rotthaus@lvr.de


Zurück