Arbeitsgemeinschaft Systemische Kinder- und Jugendpsychiatrie e. V.

 

Vorbemerkungen

zu den Richtlinien für eine Aufbauausbildung zur Systemischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin / zum Systemischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten

 

Der Erarbeitung dieser Richtlinien sind in den letzten zwei Jahren intensive Diskussionen innerhalb der "Arbeitsgemeinschaft Systemische Kinder- und Jugendpsychiatrie" über den Sinn und die inhaltliche Berechtigung einer solchen Ausbildung zum Systemischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten wie auch über ihre berufspolitischen Aspekte vorausgegangen. Mit großer Mehrheit fiel dann die Entscheidung, eine Aufbauausbildung, die in Ergänzung zu dem Curriculum "Systemtherapie/ Familientherapie" stattfinden sollte, anzuregen und über die beiden systemischen Verbände den systemischen Ausbildungsinstituten vorzuschlagen

Unsere Überlegungen dazu in Kürze:

  1. Wir wollen in keinem Fall die Errungenschaft des systemischen Gedankens, den Blick des Therapeuten auf ganze Systeme zu lenken, durch eine "Spezialausbildung" zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten / zur Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin in Frage stellen. Andererseits sind wir der Ansicht, dass für eine kompetente Therapie mit Kindern und Jugendlichen vielfältige spezielle Kenntnisse und Erfahrungen notwendig sind, die den jeweiligen Entwicklungsstand des identifizierten Patienten berücksichtigen und Modifikationen des therapeutischen Vorgehens in Abhängigkeit vom jeweiligen Alter sowohl in der systemischen Familienarbeit als auch in der systemischen Einzelarbeit wie im übrigen auch in der Gruppenarbeit -notwendig machen. Als Lösung dieses Dilemmas haben mir uns entschieden, eine Aufbauausbildung von einem Jahr in Ergänzung zu der 3-jährigen Ausbildung zum "Systemtherapeuten/Familientherapeuten" vorzuschlagen.
  2. Unsere Initiative erscheint uns sowohl unter inhaltlichen als auch unter berufspolitischen Aspekten wichtig. Wir glauben schon, dass Systemtherapeuten/Familientherapeuten die "geborenen" Kindertherapeuten sind, nehmen aber auch wahr, dass in manchen Familientherapien Therapeutin/Therapeut und Eltern lediglich über ihre Kinder reden und dass mangelnde Kenntnisse und Erfahrungen über altersangemessene Zugangswege zu Kindern und Jugendlichen ein Einbeziehen der identifizierten Patienten verhindern.
  3. Unsere Initiative soll auch dazu dienen, die "Systemiker" dazu anzuregen, sich mehr mit den speziellen Erfordernissen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen auseinander zu setzen. Das Ideenspektrum systemischer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapien scheint uns durchaus noch erweiterungsfähig. Der nächste Schritt müsste dann unbedingt sein, dass wir uns bemühen, die Wirksamkeit der Systemischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie auch nachzuweisen!
  4. Schließlich soll unsere Initiative auch dazu dienen, dass wir "Systemiker" das Feld der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie nicht den Richtlinienverfahren überlassen sollten, sondern offensiv unseren systemischen Ansatz vertreten müssen (was in der Praxis ja auch mit gutem Erfolg geschieht).

Das von der ASK erarbeitete Curriculum wurde an die Vorstände der "Systemischen Gesellschaft" und der "Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie" gesandt mit der Bitte, den Vorschlag in geeigneter Form zu diskutieren und die Mitgliedsinstitute anzuregen, Aufbauausbildungen zur Systemischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin / zum Systemischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten anzubieten.

Im Namen des Vorstandes der ASK

 

 

Dr. W. Rotthaus

1. Vorsitzender

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