Die Funktion von Besprechungen für multidisziplinäre Behandlungsteams kinder- und jugendpsychiatrischer Stationen

Emil Branik

DGKJP-Tagung 18.03.2005, Heidelberg

Zielsetzung: Analyse der Funktionen von und Dynamiken in Besprechungen multidisziplinärer Behandlungsteams auf kinder- und jugendpsychiatrischen Stationen.
Materialien/Methode: Deskriptiv-hermeneutische Darstellung der praxisrelevanten Gegebenheit, dass jede Station einer kinder- und jugendpsychiatrischen Klinik eine eigene "Besprechungskultur" aufweist. Diese wird neben der konzeptuellen Ausrichtung der Klinik von den Persönlichkeiten der Beteiligten, Hierarchistrukturen und verfestigten Gewohnheiten geprägt. Die diagnostische und/oder therapeutische Patienten- und Zielorientierung der Besprechungen wird durch teambezogene Funktionen überlagert wie z.B. Regulation der Emotionen und Gruppendynamik oder Erhaltung der Ordnung, Rollen- und Machtverteilung.
Ergebnisse: Der Einfluss von unter Umständen Überhand nehmenden, den Abwehrbedürfnissen der Teammitglieder dienenden gruppendynamischen Mechanismen auf die Wahl der Behandlungsstrategie, Pharmakotherapie und Therapieefizienz wird dargestellt. Ein therapieförderndes Milieu zeichnet sich hingegen durch das erfolgreiche Bestreben aus, sich eine für alle Teammitglieder verständliche gemeinsame Theorie über das Innenleben des Patienten zu erarbeiten und darüber hinaus laufend zu prüfen, inwiefern sich das Innenleben des Patienten auf die Interaktionen mit dem bzw. innerhalb des Behandlungsteams auswirkt. Die von den Mitarbeitern geteilte Theorie und Sprache über das, was im stationären Alltag geschieht, spielt eine wichtige Rolle für die Definition (und das Erreichen) von Therapiezielen. Diesbezügliche Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen den Therapieschulen werden gestreift und pragmatische Hinweise zu nutzbringender Gestaltung von Besprechungen gegeben.
Zusammenfassung: Die Besprechungen soltten günstigenfalls eine Mentalisierungshilfe leisten, die es den Behandlungsteammitgliedern und mittelbar auch den Patienten und Angehörigen erleichtert, mit den emotionalen Belastungen stationär-therapeutischer Arbeit konstruktiv umzugehen.


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