Vier Augen sehen mehr als zwei (und was ist mit vielen?) - Die Vorteile der Mehrfamilientherapie im Rahmen einer kinder- und jugendpsychiatrischen Behandlung

Uwe Scheffler

7. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie (DGSF), 10.10.2007 13.10.2007 - Neu-Ulm

Ein positiver Aspekt einer stationären kinderpsychiatrischen Behandlung für die Eltern ist es zu erfahren, dass es andere Kinder gibt mit ähnlichen Verhaltensweisen. Schnell kann dies aber zu einer Pathologisierung der Kinder führen nach dem Motto "die bösen Kinder". Im Rahmen einer stationären Mehrfamilientherapie dagegen konfrontieren sich die Eltern gegenseitig auch mit ihren Verhaltensweisen, die immer wieder einen möglichen Veränderungsbedarf thematisieren, z.B. weil sie sinnvollere Umgangsformen und Lösungen zeigen. Dies führt zu produktiven, sehr lösungsorientierte Anregungen.

Ein ebenso wichtiger Punkt ist aber auch das Erlebnis einer neuen Gemeinschaft mit anderen Eltern. Nicht selten führen Problematiken mit kleineren Kindern dazu, dass die Umwelt mit großem Unverständnis reagiert. Dies hat zur Folge, dass sich die Mütter, die sich weiter überwiegend um die Kinder kümmern, sozial zurückziehen. "Schreiattacken" im Kaufhaus, Trotzanfälle auf einer belebten Straße oder hyperaktiv-distanzloses Verhalten werden nicht sehr geschätzt. In der Zweckgemeinschaft einer Mehrfamilientherapie treten leichter oft tiefer vergrabenen Wünsche nach sozialen Aktivitäten wieder hervor. Neue Erlebnisfelder außerhalb der Familie, z.B. durch den Wunsch "mal wieder Sport zu machen" lösen das interaktionelle Spannungsfeld und geben so auch dem Kind den Freiraum sich anders zu verhalten.

Die Vorteile dieses anregenden Spannungsfeldes einer Mehrfamilientherapie werden aus der langjährigen Leitungserfahrung eines therapeutischen Eltern-Kind-Haus dargestellt.



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