Systemische Narrative, Qualitätsmanagement, Psychiatrie & Krankenkassen: Eine Reflexionsliste zur systemischen Berichtgestaltung

Ingo Spitczok von Brisinski

DGKJP-Kongress 15.3.2007, Aachen

Einleitung
Kinder- und jugendpsychiatrische Berichte dienen sehr unterschiedlichen Zwecken - von der Ermutigung der Familie, nach einem gemeinsamen Therapieprozess den weiteren Weg selbständig zu gehen, über Informationsübermittlung an den Weiterbehandelnden bis zum Nachweis der Behandlungsbedürftigkeit gegenüber der Krankenkasse. Es stellt sich die Frage, wie Berichte so erstellt werden können, dass sie diesen sehr unterschiedlichen Adressaten und Aufträgen gerecht werden.

Methode
Erstellung einer Reflexionsliste zur systemischen Berichtgestaltung mittels Adaption der für mündliche Kommunikation konzipierten Heidelberger "Reflexionsliste Systemische Prozessgestaltung" und Ergänzung nach internationaler Literaturrecherche und Auswertung klinischer Erfahrungen.

Diskussion/Ergebnisse
Berichte als Bestandteil professioneller Dokumentation therapeutischer Prozesse dienen der Sicherung therapeutischer Arbeit, Begründung therapeutischer Interventionen und durch rekursive Informationsschöpfung dem Qualitätsmanagement in der therapeutischen Arbeit. Eine systemische Berichterstattung, die hinsichtlich Anlass und Notwendigkeit der Behandlung sowohl Ressourcen als auch Probleme eines Klienten und/oder Familiensystems referiert, kann auch gegenüber Krankenkassen, Jugendämtern und Sozialämtern zur Beantragung von Kostenübernahmen für therapeutische Maßnahmen bestehen. Die nach den Ergebnissen der Recherche zusammengestellte Reflexionsliste besteht aus den Modulen "Schreiben über Krankheit und Gesundheit", "Vorstellungsanlass und Anamnese", "Auftragsklärung", "Berichte über Verhandlungen zu Sinn, Inhalt und Dauer des Aufenthaltes", "Psychischer Befund", "Diagnosen", "Darstellung des Behandlungsverlaufs", "Wahlmöglichkeiten im Behandlungsmenü", "Verhandeln über medikamentöse Therapie", "Reflexions-Settings für Angehörige und andere Beteiligte", "Systemisches Verhalten über Handlungsoptionen in schwierigen Situationen" und "Empfehlungen". Systemische Berichterstellung, die diese Themen berücksichtigt, unterstützt auch Selbstreflexion und Qualitätssicherung.

Die vollständige Reflexionsliste „Systemische Berichtgestaltung“ finden Sie unter www.systemisch.net/gedankenregister/berichte.htm, einen umfassenden Artikel in der Fachzeitschrift Kontext:
Spitczok von Brisinski, I. (2006): Systemische Narrative, Qualitätsmanagement, Psychiatrie & Krankenkassen: Eine Reflexionsliste zur systemischen Berichtgestaltung. Kontext 3, 275-296


Kontaktadresse:

Dr. med. Ingo Spitczok von Brisinski
Rheinische Kliniken Viersen
Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters
Horionstr. 14, D-41749 Viersen
Tel. 02162 96 5000 oder -96 31
E-Mail: Ingo.SpitczokvonBrisinski@lvr.de


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