Ressourcenorientierte Diagnostik, Beratung und Therapie

bei Asperger-Syndrom und High-functioning-Autismus

I. Spitczok von Brisinski

Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Rheinische Kliniken Viersen

Einleitung: Bereits Hans Asperger betonte, dass existierende Talente der betroffenen Kinder und Jugendlichen gefördert und spezielle Interessen in nutzbare Fähigkeiten einbezogen bzw. überführt werden sollten.

Methodik: In der Diagnostik, Beratung und Therapie von betroffenen Jungen und Mädchen im Alter von 7 bis 18 Jahren unter Einbeziehung der Eltern wurden ressourcenorientierte Techniken auf der Basis eines konstruktivistisch-systemischen Rahmenmodells angewandt und auf ihren praktischen Nutzen hin untersucht.

Ergebnisse: Im Vordergrund standen 1. aktives Erfragen von Stärken aller Familienmitglieder einschließlich des Betroffenen; 2. ein positives Umdeuten von vormals negativ konnotierten Aspekten; 3. die Konstruktion eines Kontextes, der das Erleben von Erfolgen wahrscheinlich macht.

Nach Einschätzung von Familien und Personal unterstützten diese Maßnahmen die Familien dabei a) eine aktive Rolle im Problemlösungsprozess einzunehmen; b) eine Verbesserung des Selbstwertgefühls zu erreichen; c) die Atmosphäre angenehm zu gestalten; d) durch für die Familie angemessen ungewöhnliche Anregungen Wege zur Verringerung bzw. Lösung von Problemen zu finden.

Diskussion: In der Regel führen syndrombedingte Defizite zu einer kinder- und jugendpsychiatrischen Diagnostik und/oder Therapie und müssen dementsprechend auch ausreichend Beachtung finden. Begreift man Diagnosen als Konstrukt, liegt es nahe, sich nicht nur auf störungsbedingte Defizite zu konzentrieren, sondern auch syndrombedingte und individuell vorhandene Stärken für diagnostische und therapeutische Prozesse zu nutzen.

 

Zurück