Arbeitsgemeinschaft systemische Kinder-und Jugendpsychiatrie e.V

 

Mitgliedersammlung vom 9.5.03 in Göttingen

 

 

 

·        Mitgliederentwicklung
Herr Geiken berichtete, dass der ASK zur Zeit 88 Mitglieder habe ( 3 Aus-, 2 Eintritte),

 

·        Berufspolitik
Herr Rotthaus informierte, dass der wissenschaftliche Beirat die Bundesärztekammer und die Landesärztekammern angeschrieben habe, dass Systemische Therapie nicht mehr gelehrt werden solle. Die Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie und die Systemische Gesellschaft haben in einem gemeinsamen Brief dazu Stellung bezogen. Die Ärzte sollen angeschrieben und gebeten werden, sich der Stellungnahme anzuschließen. Darüber hinaus hat der WB über das Ministerium in erheblichem Umfang Forschungsgelder für Therapieforschung erhalten. Angesichts der Besetzung des WB ist damit zu befürchten, dass einseitig die bisher anerkannten Verfahren beforscht werden.

 

·        Evaluationsprojekt
Da die bisher im ASK diskutierten Forschungsprojekte aufgrund der Problematik wissenschaftlich akzeptierter Forschungsdesigns und der damit verbundenen personellen Mehrbelastung nicht realisierbar waren, hat  Herr Höger einen Fragebogen zusammengestellt, mit dem erhoben werden soll, welche Verfahren zur Therapieevaluation in den Kliniken bereits angewandt werden. Anhand dieser Informationen soll dann ein Minimalpaket werden , so dass sich möglichst viele Kliniken ohne nennenswerten Mehraufwand an einer multizentrischen Evaluationsstudie beteiligen können. Diese Untersuchung könnte in Zusammenarbeit mit einer bereits geplanten Studie in Niedersachsen durchgeführt werden. Herr Naumann klärt ab, ob die Universität Lüneburg über Diplomanden die Auswertung übernehmen könnte. Der Fragebogen mit entsprechendem Anschreiben liegt dem Protokoll bei. Ein reger Rücklauf ist die Voraussetzung für die Durchführung einer solchen Studie!

 

·        Curriculum systemische Kinder – und Jugendlichenpsychotherapie
Das ISI Berlin ist interessiert, das vom ASK erarbeitete Curriculum anzubieten. ASK Mitglieder können sich bei Herrn Geiken melden, wenn sie als Dozentinnen und Dozenten mitarbeiten wollen.

 

·        Profilschärfung
Die Symposien ( wie zuletzt auch in Wien) werden gut besucht, die Beteiligung an den Mitgliederversammlungen kann noch verbessert werden.
Zum einen soll die Öffentlichkeitsarbeit verstärkt (Ankündigungen der ASK Veranstaltungen in Tagungskalendern, Veröffentlichungen über die Berufsverbände sowie über das Internet sehr frühzeitig) und die Mitglieder durch häufigere Rundbriefe regelmäßiger informiert werden. Thematisch soll dem Austausch über die systemische Praxis im Rahmen der Kinder- und Jugendpsychiatrie wieder mehr Raum gewidmet werden, weitere Themenvorschläge: - Probleme systemisch arbeitender Kliniken  in der derzeitigen Gesundheitslandschaft – Ressourcenorientierte Dokumentation – innovative Konzepte.

 

·        Ankündigungen
Die nächste Mitgliederversammlung findet im Rahmen der DGSF  Jahrestagung  „Lösungsräume und Systemkompetenzen“ in Magdeburg statt. Der ASK veranstaltet am Freitag, 19.9.03 von 15.00 – 18.00 Uhr ein Symposium zum Thema „Elterngruppen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie“. Im Anschluss tagt von 18.00-19.00 Uhr die Mitgliederversammlung . Thema: Evaluationsstudie

Die Frühjahrstagung 2004 des ASK wird in Verbindung mit den Viersener Therapietagen stattfinden, und zwar am Mittwoch, den 2.6.04 um 14.00Uhr. Thema u. a.:  „Computerunterstützte Prozessforschung zu systemischen Therapie – Adaptationsmöglichkeiten für den Jugendlichenbereich.“. Herr Prof. Schiepek hat zugesagt, zu kommen und sein in Aachen inzwischen sehr erfolgreiches Projekt (noch einmal) vorzustellen und mit den ASK-Mitgliedern deren Interesse an einem Einsatz im Kinder- und Jugendbereich (und damit an einer Bearbeitung) zu diskutieren.

 

·        Vortrag  von Dr. Michael Meusers : Traumatherapie bei Kindern und Jugendlichen 
 Herr Dr. Meusers hielt einen sehr spannenden Vortrag, der hier nur kurz zusammengefasst werden kann. Kriterium für das Vorliegen traumatischer Erlebnisse ist die „Emotionale Betäubung“( Römer 1998) sowie das Gefühl der Hilflosigkeit.
Herr Dr. Meusers referierte zuerst neurobiologische Grundlagen traumatischer Ereignisse . Typisch für traumatische Erlebnisse  ist das Fehlen von Bewertungskategorien, es ist keine Bedeutungsgebung durch das Frontalhirn erfolgt. Bei großer Erregung ist das Frontalhirn , das zuständig ist für die subjektive Bewertung von Ereignissen, überfordert und ausgeschaltet , so dass die Erlebnisse in niederen Hirnregionen (Thalamus)  gespeichert werden. Triggerreize lösen dann emotionale Reaktionen aus, ohne dass Bewertungen und Eingrenzungen möglich sind, da die im Frontalhirn nicht abgespeichert werden konnten. So treten auch Angstreaktionen ungebremst auf, die ansonsten  vom Fronalhirn  heruntergefahren werden können. Flashbacks sind solche von Triggereizen (Visuelle Einrücke, Geräusche, Gerüche etc)  ausgelöste emotionaleReaktionen . Sie führen zu einer immer stärkeren Verankerung des traumatischen Erlebnises, ohne dass eine Versprachlichung stattfinden kann. Auch ist die Modulationsfahigkeit des Gehirns bei Traumatisierung reduziert und reagiert nach dem „Alles oder Nichts“ Prinzip.

Als therapeutisches Vorgehen nannte Herr Meusers als Basis die Stabilisierung mit dem Finden des sicheren Ortes sowie verschiedener Techniken, um dem Patienten die Kontrolle über den Therapieprozess zu ermöglichen ( Screentechniken, Tresorübung, Begleiter).
Als Methode zur Verarbeitung stellte er das EMDR ( Eye Movement Desensitization and Reprocessing) von Shapiro vor.

Hohe Erregung soll dosiert verarbeitet werden, damit keine Reinzenierung stattfindet. Dazu findet ein  rhythmisch stimulierter Wechsel der Hirnhälften statt ( durch die Augenbewegung und ähnliche Techniken), um den Verarbeitungsprozess immer wieder zu unterbrechen und somit zu dosieren.
Das Grundschema  der Behandlung  sieht wie folgt aus:
1. Ausgangssituation (Trauma) schildern

            2.Benennen des „schlimmsten Teil“

            3.Negative  Selbstkognition
4. Positive Selbstkognition
5. Stimmigkeit der positiven Kognition ( Skala 1-7)

            6. Emotionale Befindlichkeit bezogen auf das Ausgangsbild ( Skala 1-7)

            Es erfolgt dann  das Durcharbeiten in fragmentierter Form( tap, eye movement), bis die emotionale Belastung durch das Trauma auf „1“ reduziert und die Stimmigkeit der positiven Kognition auf „7“ erhöht ist.
Bei Kindern wird mit Bildern und Geschichten gearbeitet, die Unterbrechungen können auf unterschiedliche Weisen stimuliert werden (mit den Händen abwechselnd auf den Tisch klopfen, beide Schultern abwechselnd berühren u.ä.)

 

Ulrike Behme-Matthiessen

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