Ressourcenorientierung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie

Wilhelm Rotthaus und Christoph Höger

Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie des Kinder- und Jugendalters der Rheinischen Kliniken Viersen und Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Georg-August-Universität Göttingen

Einleitung: Ressourcenorientierung und Ressourcenaktivierung ist in den letzten Jahren zunehmend als psychotherapeutisches Wirkprinzip erkannt worden (Grawe 1994, 1999, Schiepek 1999). Auswirkungen dieser Erkenntnis auf therapeutisches Handeln in der Kinder- und Jugendpsychiatrie müssen daher bedacht und diskutiert werden.

Methodik: In einer Übersichtsdarstellung werden empirische Befunde zu dem Wirkfaktor Ressourcenorientierung und Ressourcenaktivierung im Hinblick auf therapeutische Veränderungen dargestellt. Im einzelnen wird erörtert, daß bei verschiedenen Indikationsüberlegungen wie der Wahl des Settings, der Einbeziehung von Bezugspersonen oder der Wahl zwischen direktivem gegenüber nichtdirektem Vorgehen das Kriterium der Ressourcenorientierung für das spezielle therapeutische Vorgehen wichtig ist.

Ergebnisse: Folgende Faktoren haben einen bedeutsamen Einfluß auf den Therapieerfolg und sollten als positive Ressource im Therapiegeschehen genutzt werden: die Beziehung zu Familienangehörigen und Freunden, die Beziehung zum Therapeuten, die Beziehung zu anderen Jugendlichen in der Patientengruppe (bei Gruppentherapie bzw. in der stationären Therapie), die speziellen Fähigkeiten im Hinblick auf die Dimension Autonomie vs Anpassung, (noch) vorhandene Fähigkeiten sowie die Beachtung der Ausnahmen von Problemen (de Shazer 1992, Durrant 1996). Ressourcenaktivierung wirkt unter systemtheoretischer Perspektive als Kontrollparameter, der in einem autopoietischen System die Möglichkeit von Änderungen begünstigt (Schiepek 1999).

Fazit: Sollten sich die referierten Befunde in Zukunft bestätigen, sind Ressourcenorientierung und Ressourcenaktivierung sowohl bei der Grundhaltung von Therapeuten zu bedenken als auch in das Behandlungsvorgehen einzubeziehen. Eine ressourcenorientierte Sichtweise muß dann auch wesentlicher Inhalt von Ausbildung und Supervision werden.

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