Das entfremdete Elternteil als Behandlungsressource

Jürgen Junglas

Fachbereich Kinder-, Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der Rheinischen Kliniken Bonn Kaiser-Karl-Ring 20, D-53111 Bonn, eMail j.junglas@mail.lvr.de

Einleitung:
In die klinische Behandlung kommen oft Familien, bei denen ein Elternteil entfremdet wurde und von den Hilfsinstitutionen als nicht mehr hilfreich eingestuft werden. Der Umgang mit dieser Situation ist für Patienten, Angehörige und Psychiater meist mit spezifischen Problemen behaftet.

Methode:
Es wird exemplarisch dargestellt, wie entfremdete Elternteile wieder für den Patienten und seine Probleme nutzbar gemacht werden können. Dabei wird auf die verschiedenen Widerstände in den familiären Systemen und den Helfersystemen eingegangen und deren Überwindung dargestellt. Diese als Re-Triangulierung bezeichnete Vorgehensweise läßt Ressourcen beim Patienten und seinen Angehörigen sowohl auf der Handlungsebene als auch auf der unbewußten Kompetenzebene freisetzen.

Ergebnis:
Das Gelingen der Re-Triangulierung ist meist mit einer dramatischen Verbesserung vorheriger psychopathologischer Zustände und der Eröffnung sozialer Lösungsstrategien verbunden. Zu seiner Anwendung bedarf es spezifischer Therapeutenkompetenz.

Diskussion:
Das therapeutische Bemühen um das entfremdete Elternteil ist immer mit hoher Priorität angezeigt. Ethische und psychodynamische Standards erfordern die Re-Triangulierung. Seine Vermeidung kann einen Kunstfehler darstellen, bzw. die Psychopathologie verstärken.

Abbildungen

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